Die Burschenschaft Frankonia Marburg, 1908/09. In der Mitte Ernst Reuter (am Tisch). LAB, E Rep. 200-21, Nr. 192, F 93.

Sozialdemokrat im Kaiserreich

Ernst Reuter wurde am 29. Juli 1889 in Apenrade geboren. Die unweit von Flensburg gelegene Kleinstadt in Nordschleswig, die heute zu Dänemark gehört, war damals Teil des Königreichs Preußen. Reuter stammte aus bürgerlich-protestantischen Verhältnissen. Sein Vater Wilhelm unterrichtete an der Königlich Preußischen Navigationsschule. Die Mutter Karoline war Pfarrerstochter. 1892 zog die Familie nach Leer in Ostfriesland.

Ernst Reuters schulische Ausbildung folgte ganz den klassisch-humanistischen Bildungsidealen des Bürgertums. Nach dem Abitur 1907 nahm er in Marburg ein Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik und Geographie auf. Zwei Jahre später wechselte er für kurze Zeit an die Ludwig-Maximilians-Universität in München.

In der Studienzeit kam er erstmals mit den Ideen des Sozialismus in Berührung. Sie übten einen großen Einfluss auf ihn aus. Entgegen dem Willen der Eltern strebte Ernst Reuter nach dem erfolgreichen Staatsexamen nicht die Beamtenlaufbahn eines Gymnasiallehrers an, sondern er fand über die Arbeiterbewegung den Weg in die Sozialdemokratie. 1912 trat er der SPD bei. Nach mehreren Zwischenstationen als Hauslehrer, Journalist und Wanderredner zog er im August 1913 nach Berlin.