Türkisches Exil. Foto: Thomas Platow, LAB.

NS-Herrschaft und türkisches Exil

Als ehemaliger Kommunist, Sozialdemokrat und Anhänger des von den neuen Machthabern verfemten „Weimarer Systems“ gehörte Ernst Reuter zu den Personen, die unter den Nationalsozialisten Verfolgungen und schweren Repressalien ausgesetzt waren. Zweimal wurde er von der Gestapo verhaftet. Dem Einsatz englischer Freunde bei einflussreichen Stellen in Berlin war es zu verdanken, dass Reuter aus der KZ-Haft freikam. Über die Niederlande und Großbritannien emigrierte er mit seiner Familie 1935 in die Türkei.

Der angesehene Verwaltungsfachmann fand zunächst eine Anstellung als Berater für Tariffragen im türkischen Wirtschaftsministerium. 1938 wurde er Professor für Kommunalpolitik an der Hochschule für Politische Wissenschaften in Ankara. Zudem wirkte er nun als Berater des Verkehrsministeriums. Aufgrund seiner Lehrtätigkeit und der zahlreichen publizistischen Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden, gilt Reuter als Begründer der modernen Urbanistik in der Türkei. Eine ganze Generation von Stadtplanern und Verwaltungsfachleuten wurde von ihm ausgebildet. Reuters Versuche, aus dem Exil den Widerstand gegen das NS-Regime zu organisieren, blieben allerdings weitgehend erfolglos.