„Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“. Foto: Thomas Platow, LAB.

Politiker im Berlin der Nachkriegszeit

Im November 1946 kehrte Ernst Reuter nach Deutschland zurück. Hatte er zunächst darauf gehofft, aufgrund seiner Qualifikationen ein höheres Amt bekleiden zu können, wurde er von der SPD-Parteileitung darum gebeten, nach Berlin zu gehen. Dort übernahm er das ihm bereits aus den zwanziger Jahren vertraute Amt als Stadtrat für Verkehr und Versorgungsbetriebe. Unter den schwierigen Bedingungen der Nachkriegszeit leitete Reuter die Reorganisation der lebensnotwendigen Versorgungsbereiche Gas, Wasser und Elektrizität in der Vier-Sektoren-Stadt. Nach dem Rücktritt von Oberbürgermeister Otto Ostrowski (SPD) wurde Ernst Reuter Anfang Juni 1947 von der Stadtverordnetenversammlung zu dessen Nachfolger gewählt. Das sowjetische Veto in der Alliierten Kommandantur verhinderte jedoch seinen Amtsantritt. Statt seiner führte Louise Schroeder (SPD) für mehr als ein Jahr die Geschäfte des Oberbürgermeisters.

Seit dem Beginn der sowjetischen Blockade Berlins im Juni 1948 wurde der „verhinderte“ Bürgermeister rasch zur wichtigsten Stimme für Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung. Mit seiner Rede am 9. September 1948 vor der Ruine des Reichstagsgebäudes („Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“), stieg Ernst Reuter zur Symbolfigur des Durchhaltewillens der Berliner gegen die sowjetische Aggression auf. Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 5. Dezember 1948, die nur im Westteil der Stadt stattfanden, wurde die SPD mit 64,5 Prozent der Stimmen stärkste Partei.