Während des Wahlgangs zur Wahl des Regierenden Bürgermeisters von Berlin am 12. Januar 1951 rauchen die beiden Kandidaten Ernst Reuter und Walther Schreiber (CDU) gemeinsam eine Zigarre. Foto: ddp images. Ernst Reuter, Mai 1953. Foto: Christel Willner. LAB, E Rep. 200-21, Nr. 218, F 61.

Oberbürgermeister und Regierender Bürgermeister von Berlin

Ernst Reuter wurde erneut zum Oberbürgermeister von Groß-Berlin gewählt. Aufgrund der politischen und administrativen Spaltung der Stadt beschränkten sich seine Amtskompetenzen allerdings auf die drei Westsektoren. Obwohl die SPD bei den folgenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 3. Dezember 1950 rund 20 Prozent der Stimmen verlor, blieb Ernst Reuter im Amt. Eine Kampfabstimmung zwischen Reuter und Walther Schreiber (CDU) ging mit einem Patt aus. Schreiber verzichtete daraufhin zugunsten Reuters, der nunmehr mit der neuen Amtsbezeichnung „Regierender Bürgermeister“ an die Spitze einer Koalition aus SPD, CDU und FDP trat.

In den Jahren, in denen Ernst Reuter als Oberbürgermeister und Regierender Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkte, bemühte er sich unermüdlich darum, den Stand der „Insel“ West-Berlin als „Bollwerk der Freiheit“ auszubauen. Obwohl es aufgrund alliierter Vorbehalte nicht gelang, Berlin als zwölftes Bundesland in den Geltungsbereich des Grundgesetzes aufzunehmen, trug Reuter wesentlich dazu bei, dass die Halbstadt eng an die Bundesrepublik Deutschland angebunden wurde. Als Anhänger der „Magnettheorie“ setzte er sich für die Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Situation seiner Stadt und die Westbindung der Bundesrepublik ein. Gleichzeitig sorgte er sich um das Schicksal der Menschen auf der östlichen Seite des „Eisernen Vorhangs“.

Zahlreiche Reisen führten Ernst Reuter ins Ausland. Neben Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) galt er zu Beginn der fünfziger Jahre als der bekannteste und populärste Politiker der jungen Bundesrepublik. Willy Brandt nannte es in seinen Erinnerungen einen „Glücksfall“, dass Reuter Berlin durch die Nachkriegsjahre gesteuert habe: „Vita und Wesen ließen ihn aus der Aufgabe – schwer und schön in einem – machen, was irgend zu machen war.“

Als Ernst Reuter am 29. September 1953 im Alter von 64 Jahren starb, löste die Nachricht von seinem Tod tiefe Bestürzung und Trauer aus. In den folgenden Tagen nahmen Hunderttausende von ihrem Bürgermeister Abschied. Am 3. Oktober 1953 fand Ernst Reuter die letzte Ruhe auf dem Waldfriedhof Zehlendorf.