
Wem gehört der Reichtum?
Vom Volksentscheid über die Fürstenenteignung vor 100 Jahren bis zu aktuellen Vergesellschaftungsdebatten
Podiumsgespräch mit Axel Weipert, Rabea Berfelde und Ralf Hoffrogge
22. Juni 2026, 19 Uhr, Salon am FMP1, Franz-Mehring-Platz 1 / 10243 Berlin
Anmeldung erbeten unter https://pretix.eu/Muenzenberg/Enteignung/, spontane Teilnahme möglich.
Der Volksentscheid zur Fürstenenteignung im Juni 1926 war ein bemerkenswertes Ereignis: erstmals wurde direkte Demokratie auf nationaler Ebene ausprobiert. Wenngleich der Entscheid am Ende scheiterte, zählte er trotzdem zu den größten Erfolgen der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. Aufgrund eines nicht erfüllten Quorums konnte das ursprüngliche Anliegen, den ehemals regierenden Adel entschädigungslos zu enteignen, nicht erreicht werden. Dennoch: Mehr als 14 Millionen Menschen hatten sich für die Initiative ausgesprochen. Damit erhielt sie weit mehr Stimmen als die Parteien der Arbeiterbewegung zu diesem Zeitpunkt gemeinsam auf sich vereinen konnten.
In den vergangenen Jahren wiederum hat ein weiterer Volksentscheid für Furore gesorgt: Unter dem Motto „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ stimmte im September 2021 eine deutliche Mehrheit der Stadt für die Vergesellschaftung der Berliner Bestände großer Immobilienunternehmen. Der Entscheid ist bis heute ohne konkrete Umsetzung geblieben. Die Initiative jedoch wird weitergeführt und die Debatte vermutlich auch Einfluss haben auf die kommenden Abgeordnetenhauswahlen.
Welche Verbindungslinien lassen sich zwischen der versuchten Fürstenenteignung und aktuellen Debatten um Vergesellschaftung ziehen? Wie hat sich der Volksentscheid als direktdemokratisches Instrument seit der Weimarer Republik entwickelt? Worin bestehen in einer parlamentarischen Demokratie die Chancen und Risiken unmittelbarer Mitbestimmung? Und wie prägen die gegenwärtigen Initiativen den städtischen Raum in Berlin?
Über historische Kontinuitäten und aktuelle Konflikte rund um Eigentum, Vergesellschaftung und direkte Demokratie diskutieren:
Rabea Berfelde
Dr. Rabea Berfelde ist Sozialwissenschaftlerin und hat an der University of London über The Reconfiguration of Urban Places of (Re-)Production. Airbnb and Coworking in Berlin (Routledge 2026) promoviert. Sie arbeitet am Centre for Social Critique der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet zusammen mit Dr. Jacob Blumenfeld das von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Socialisation in Theory and Practice. Democratising Access to Land and Energy“, das sich mit Konzepten für eine Demokratisierung der Ökonomie beschäftigt. Zudem forscht sie zu finanzialisierten Bodenökonomien sowie zu gemeinwohlorientierten Alternativen. Die Debatten um die Wohnraumvergesellschaftung in Berlin hat sie eng begleitet.
Ralf Hoffrogge
Dr. Ralf Hoffrogge ist Historiker mit den Schwerpunkten Wirtschaftsdemokratie, Soziale Bewegungen und Arbeiter:innenbewegung. Er promovierte an der Universität Potsdam mit einer Biografie über Werner Scholem, gehörte 2017 zu den Gründern der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ und war eine von fünf Vertrauenspersonen des Volksbegehrens von 2021. Zudem ist er in der Mietenbewegung aktiv, die sich für bezahlbares Wohnen einsetzt. Sein jüngstes Buch Das laute Berlin – Deutsche Wohnen & Co enteignen und die Wiederkehr der Vergesellschaftung (Brumaire Verlag 2025) zeichnet die Geschichte der Berliner Mietenbewegung seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nach.
Axel Weipert
Dr. Axel Weipert ist Historiker und hat an der Freien Universität Berlin über die zweite Phase der Novemberrevolution in Berlin promoviert. Seine Forschungen konzentrieren sich auf die Geschichte der Arbeiterbewegung, den Ersten Weltkrieg und die Demokratisierung in historischer Perspektive. Zu seinen Veröffentlichungen zählen die Monografien Das Rote Berlin. Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830–1934 (Berliner Wissenschafts-Verlag, 2. Aufl. 2019) und Die Zweite Revolution. Rätebewegung in Berlin 1919/1920 (BeBra Wissenschaft Verlag 2015, englische Übersetzung Brill 2023). Aktuell arbeitet er an einer Biografie über den Berliner Sozialdemokraten, Kommunisten und Freidenker Adolph Hoffmann und ist in der Brandenburger Landesverwaltung tätig. Über den Volksentscheid zur Fürstenenteignung 1926 publizierte er in der Schriftenreihe der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv: https://ernst-reuter.org/den-fuersten-keinen-pfennig/
Im Anschluss an das Gespräch gibt es Gelegenheit zum offenen Austausch und einen kleinen Empfang an der Bar des Salons.
Eine Veranstaltung in Kooperation der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv, des Münzenbergforum Berlin sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine kurze Voranmeldung: https://pretix.eu/Muenzenberg/Enteignung/
